Nur echt mit der Ford-Schnalle

Nur echt mit der Ford-Schnalle

Dieter Kallaus war fasziniert, als er die aus Lastwagenplanen gefertigte Handtasche einer Freundin seiner Frau sah. Kurzerhand fuhr er auf einen Schrottplatz, besorgte sich dort Sicherheitsgurte, Planen, Teppiche. Kallaus begann, Taschen zu nähen. „Aus alten Dingen, die von anderen entsorgt oder achtlos weggeworfen werden, können neue, spannende Sachen entstehen“, sagt der 41-Jährige. Zwischenzeitlich hat er das Taschennähen perfektioniert, eigene Modelle entworfen und im Januar ein Gewerbe angemeldet.

Irgendwann hatte Dieter Kallaus genug Taschen für sich und seine Frau genäht, die Schwester hatte eine Tasche zum Geburtstag bekommen und auch die übrigen Verwandten waren ausreichend mit Taschen eingedeckt. Wegen ihrer Originalität kamen nach und nach jedoch die ersten Anfragen und Aufträge aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. „Dadurch reifte bei mir die Idee, das Hobby weiterzuentwickeln und damit ein zweites berufliches Standbein aufzubauen“, erzählt Kallaus. Als seine Haushaltsnähmaschine eines Tages ob der Belastung streikte und endgültig ihren Geist aufgab, zögerte er nicht, mit dem Kauf einer Industrienähmaschine den ersten Schritt in die Selbstständigkeit zu tun.

„Es gibt derzeit viele Anbieter von Taschen und alle sehen sich irgendwo ähnlich.“ Mit dieser Feststellung kehrte Kallaus von einem Besuch der Ambiente zurück. Umso wichtiger, befand er, sich von anderen abzuheben. Seine Taschen sind aus neuen Lkw-Planen und alten Pkw-Sicherheitsgurten gefertigt, die zuvor gewaschen und gereinigt werden. Das Besondere sind aber die Gurtschnallen, sie sind ausschließlich aus Ford-Modellen. „Mittlerweile werden die Schnallen allerdings etwas knapp, ich habe schon auf sämtlichen Schrottplätzen der Region die Autos ausgeschlachtet“, sagt der 41-Jährige.

Einige Kunden bringen Stoffe selber mit
Veredelt werden die Taschendeckel mit verschiedensten Materialien wie chinesischer Seide mit Drachenmuster oder Blumenornamenten, Wolldecken der Bundeswehr, Luftmatratzen, Fallschirmseide, Feuerwehrschläuche, Airbags, Schlauchboote, gefleckte und unifarbene Kuhfelle oder Surfsegel. „Es gibt nichts, was ich nicht verwende, sofern sich die Materialien verarbeiten lassen“, meint Kallaus. Er verwende aber nur Originalsachen, „das macht den Reiz der Taschen aus“. Manchmal ersteigert er Materialien bei Ebay, manchmal tauscht er eine seiner Taschen gegen ein besonderes Material, manchmal bringen Kunden aber auch Stoffe für ihre individuelle Tasche selber mit.

Gefertigt werden die Taschen in verschiedenen Standardgrößen, es gibt Modelle wie Damenhandtaschen oder Taschen für Aktenordner. Auf Kundenwunsch ist aber jede andere Größe machbar. Die Innentaschen haben einen Klettverschluss, größere Taschen können mit mehreren Fächern, kleinen Seitentaschen für das Handy oder den Schlüsselbund ausgestattet werden. Inzwischen hat Kallaus ein Logo entworfen, es sind seine Initialen. Das „DK“ hat er weben lassen, es wird nun bei jedem Taschendeckel rechts unten eingenäht. „Man braucht unbedingt ein Markenzeichen, das hat bei den ersten Taschen einfach noch gefehlt“, sagt er.

Vertrieb über Taschenpartys
Der Vertrieb läuft langsam an. So veranstaltet Kallaus sogenannte Taschenpartys, „das läuft ab wie bei Tupperpartys, nur eben mit einem anderen Produkt“. Falls der Kunde eine ganz individuelle Taschenberatung wünscht, besucht er ihn auch zu Hause. Ausgestellt hat er schon auf Kunstausstellungen, kleineren Messen und Märkten. „Als nächstes möchte ich in einigen ausgesuchten Läden meine Taschen auf Kommission ausstellen“, so Kallaus. Ein Onlineshop wäre momentan noch zu zeitaufwendig, „da komme ich als Nebenberufler mit der Produktion nicht mehr nach“. Falls die Nachfrage wächst, werden Näharbeiten vielleicht auch in Heimarbeit vergeben und eine zweite Nähmaschine angeschafft, „aber das lasse ich auf mich zukommen“.

Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker ist hauptberuflich als IT-Experte in der Telekommunikationsbranche tätig. Im Internet ist das Unternehmen seit Kurzem präsent, Visitenkarten und Geschäftspapiere folgen, die Beratung beim Patentanwalt ist geplant, denn Kallaus will sein Markenzeichen „DK“ schützen lassen. „Es gibt viele Anbieter von Taschen und ob ich damit eines Tages meinen Lebensunterhalt verdienen kann, weiß ich noch nicht“, sagt Kallaus. Sein Traum ist ein kleines, feines Ladengeschäft in Frankfurt. Mit einem schönen Verkaufsraum und hinten im Laden soll die Nähmaschine stehen, damit die Kunden zuschauen können, wie die Taschen gefertigt werden.

http://www.dktaschen.de