Bittersüß und sinnlich

Bittersüß und sinnlich

Wer den Laden betritt, riecht es sofort, das bittersüße Aroma des Kakaos. Wer dann seinen Blick schweifen lässt, entgeht den bitterzarten Verlockungen wohl kaum. Ganz gleich, ob ihn edle Pralinés, zartschmelzende Milchschokolade, feinste Trinkschokolade mit einem Ingwer-Hauch oder bunte Liebesperlen verführen: Wer den Laden schließlich wieder verlässt, weiß längst, dass Schokolade ein sinnliches Erlebnis ist.

Die Banken fanden die Geschäftsidee, mitten in Frankfurt eine Chocolaterie zu eröffnen, nicht überzeugend und den Businessplan nicht kreditwürdig. „Im Discounter kostet die Tafel nur 39 Cent, in einer Chocolaterie das Zehnfache und mehr, das kann nicht gut gehen“, befanden die Banken. Gaby Fürstenberger und Sabine Seidel sahen das anders. Die beiden Frankfurterinnen glaubten fest an ihren Laden „Bitter & Zart“ und ihren Geschäftserfolg, ließen sich von den Absagen nicht beirren und besorgten sich das Startkapital in Höhe von 80.000 Euro selber. Liehen sich Geld von Familie und Freunden, nahmen einen Privatkredit mit hohen Zinsen auf.

Nach Beratungen bei den Frauenbetrieben und der IHK Frankfurt haben die Gründerinnen zunächst ein Jahr lang am Businessplan gearbeitet. Dieser sei nicht nur wichtig für die Verhandlungen mit den Banken, sagt Fürstenberger, sondern auch für die eigene Vorbereitung auf eine Existenzgründung: „Man macht sich intensiv Gedanken über das Unternehmen und wichtige betriebswirtschaftliche Aspekte.“ Als die Ladenöffnung bevorstand, wandten sich die Gründerinnen an die Agentur für Arbeit, die „unkompliziert und unbürokratisch“ das Überbrückungsgeld gewährte. Das sei eine große Hilfe in der Startphase gewesen.

Fürstenberger und Seidel, die vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit in der Möbelbranche tätig waren, verbindet die Liebe zu schönen Dingen und zur Schokolade. Irgendwann überlegten die Freundinnen, sich selbstständig zu machen. „Wir sind Genussmenschen, reisen gerne und wollten unter keinen Umständen nur im Büro am PC sitzen, sondern kreativ sein“, so Fürstenberger. Inspiriert von den zauberhaften Chocolaterien in Frankreich und Italien, beschlossen die beiden irgendwann: „So etwas wollen wir in Frankfurt machen und dort all die schönen Dinge, die wir auf Reisen und auf Messen gesehen haben, an einem Ort vereinen.“

Viele exotische Raritäten im Sortiment
Gesagt, getan. Dieser Ort befindet sich seit Oktober 2003 in der Domstraße 4. Auf 75 Quadratmetern werden in dem Laden „Bitter & Zart“ inzwischen über 500 zartbittere Spezialitäten aus aller Welt angeboten. Neben Klassikern wie der Milchschokolade mit ganzen Haselnüssen finden Liebhaber und Naschkatzen zahlreiche exotische Raritäten wie Schokoladen mit Zimt, rotem Pfeffer, Ingwer, Chili, Limone oder Bergamotte. Zum Sortiment gehören auch Haselnussschokoladencremes, Trinkschokoladen, Katzenzungen, Pralinen, Schokoriegel, Bonbons, Nougatwürfel und Diabetikerprodukte.

Nicht zuletzt die Verfilmung des Bestsellers „Chocolat“ von Joanne Harris hat dazu beigetragen, dass edle Schokoladen seit einigen Jahren wieder besonders begehrt sind. Der Erfolg von Bitter & Zart bestätigt, dass es einen Trend zu hochwertigen Kakaoprodukten gibt. Auch werde Schokolade neuerdings gerne zu Rotwein gereicht, so Seidel, das sei früher undenkbar und verpönt gewesen. Das Sortiment im Laden wächst stetig, „wir sind immer auf der Suche nach dem Besonderen“. Die Unternehmerinnen halten daher Kontakt zu namhaften Chocolatiers, vor allem in Europa, besuchen Messen und Manufakturen, recherchieren im Internet, manchmal bringen auch Freunde interessante Schokoladen aus dem Urlaub mit.

„Aus der ursprünglichen Geschäftsidee wachsen nach und nach neue Ideen“, erzählt Seidel, „die Kunden schätzen es, dass wir immer Neues bieten und nicht stehen bleiben.“ Die meisten Kunden sind zwischen Mitte 30 und Mitte 50. Manchmal schauen aber auch Schulkinder vorbei, die von ihrem Taschengeld ein paar bunt eingewickelte Bonbons kaufen. Selten kommen Laufkunden ins Geschäft, „wir leben von der Mundpropaganda und machen keine Werbung“, erklärt Fürstenberger. Die beiden Gründerinnen beschäftigen zwei Angestellte, eine Auszubildende und fünf Aushilfen, denn das Geschäft ist stark saisonal von Festen wie Ostern, Muttertag und Weihnachten geprägt.

Präsentkartons für Firmen verstärkt anbieten
Inzwischen werden im Laden auch eigene Produkte angeboten, so die Marke „Bitter & Zart“. Diese leicht herbe Milchschokolade kreierte der französische Meister-Chocolatier Stéphane Bonnat aus Voiron, hergestellt ist die Tafel aus besten Kakaobohnen der Insel Java. Auf der Verpackung sind das Bitter & Zart-Signet und Frankfurter Motive wie Römer und Dom abgebildet. Im Sortiment findet sich auch „Bitter & Zart Edelbitter“. Mit dem Verkauf dieser Schokolade aus dem Hause Hamann unterstützen die Geschäftsfrauen den Frankfurter Verein „Frauen helfen Frauen“. Auf der Hülle sind sechs Porträts bedeutender Frauen aus Wissenschaft, Politik und Kunst abgebildet. Die Tafel kostet 3,20 Euro, davon kommen 60 Cent dem Frauenhaus zugute. Über 1.500 Stück haben die Gründerinnen bisher verkauft.

Neben dem Ladengeschäft setzen die beiden Frauen zunehmend auf zusätzliche Vertriebswege. Es gibt einen Versandshop im Internet, außerdem werden auf Bestellung Pralinen- oder Schokoladenbuffets für private Feierlichkeiten oder Events von Unternehmen geliefert. Darüber hinaus wollen Fürstenberger und Seidel verstärkt auch Präsentkartons für Firmen anbieten. Kunden können auf bereits fertige Sortimente mit wohlklingenden Namen wie Ganz in Schwarz, Die zarte Box und Manche mögen’s heiß zurückgreifen oder sich die Präsente individuell zusammenstellen und verpacken lassen.
„Wir bleiben der Schokolade treu und wir bleiben unserer Linie treu, denn das ist das Geheimnis unseres Geschäftserfolgs“, sagen die Gründerinnen. Die Kunden spürten die Leidenschaft und die Freude, mit der sie bei der Sache seien: „Schokolade ist etwas Wunderbares, sie ist sinnlich und macht glücklich. Und genau das wollen wir vermitteln.“

http://www.bitterundzart.de